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"Ein Gewerbepark mit Kultur" - Westdeutsche Zeitung [29.12.2010]


Düsseldorf. Flingern ist ein Stadtteil mit zwei Gesichtern – da ist der industriell geprägte Süden, ein Viertel mit sozialen Problemen, auf der einen Seite und der Norden auf der anderen: seit einigen Jahren in schnellem Wandel zum teuren Szenestadtteil. Nun kommt ein Großprojekt auf den Stadtteil zu, das diese Teilung aufzuheben scheint: Die Schwanenhöfe sollen nicht nur viel neues Gewerbe nach Flingern-Süd bringen, sondern auch Kultur, Gastronomie und Kinderbetreuung.

Das Ganze wird auf dem Thompson-Gelände an der Erkrather Straße geschehen, auf dem einst die Henkel-Tochter produzierte. Zuletzt standen die Gebäude, überwiegend industrielle Backsteinbauten, leer. Vor gut einem Jahr kaufte eine kleine Gruppe von Investoren das gut 36 000 Quadratmeter große Gelände, in den kommenden Wochen soll der Umbau beginnen.

Dabei wird von den alten Industriezeiten wenig bleiben. Die künftigen Schwanenhöfe sind vor allem kleinteilig geplant. Möglichst viele Unternehmen und Freiberufler sollen sich nach dem Willen der Investoren hier einmieten: von Rechtsanwälten über IT-Firmen und Filmproduktionen bis zu Handwerkern und Ingenieuren. Auch mit einem Regalproduzenten laufen Verhandlungen. Dazu sollen ein Kino kommen, ein kleines Off-Theater, Restaurants und Bars sowie eine dreigruppige Kita. Auch mit einer Tanz-Company als Mieter werde verhandelt.

Die Investoren sind in Düsseldorf nicht unbekannt, sie haben in Reisholz bereits mit einem sehr ähnlichen Konzept die Rheinhöfe entwickelt: altes Industrieambiente, modern saniert.

Einer von ihnen ist Thomas Walten. Er spricht von rund 1800Menschen, die künftig einmal in den Schwanenhöfen arbeiten könnten. Für die brauche es auch ein entsprechendes gastronomisches Angebot. Ein Gastwirt wird das alte Kraftwerk mit dem Schornstein beziehen. Der Vertrag sei schon unterschrieben, einen Namen will Walten aber noch nicht nennen.

 

Modern und grün: Keine Autos, mehr Bäume und grüner Strom

Kinos wurde in den vergangenen Jahrzehnten in Düsseldorf eher geschlossen als eröffnet. Die Schwanenhöfe wollen nun in eine Marktnische schlüpfen. Das künftige Astor mit drei Sälen soll moderne Technik mit einem sehr klassischen Ambiente verbinden – zu entsprechend gehobenen Preisen. Mit Gastronomie und Unterhaltung wollen Walten und Partner auch an den Abenden Leben auf das Areal bringen.

Architektonisch soll das Gelände nach dem Umbau einen völlig neuen Charakter bekommen. Ein kleiner Teil im Zentrum wird abgerissen, um dort einen Platz zu schaffen und Baukörper zu verkleinern. Die Bauten werden mit Glas und Stahl eine zeitgenössische Anmutung erhalten, der Boden ebenfalls mit großflächigen Betonplatten.

Dazu soll viel Grün entstehen. Und auch das Energiekonzept wird ökologisch: mit Sonnenkollektoren und Luft-Wärme-Pumpen. Autoverkehr wird es – abgesehen von der Anlieferung – nur auf dem kleinen Stück zwischen Einfahrt und dem künftigen Parkhaus geben.

Rund 45 Millionen Euro veranschlagt die Gruppe für den Umbau, es ist ihr bislang größtes Projekt. Die ersten Räume sollen schon im Frühjahr bezugsfertig sein, die letzten bis Ende 2012.

Thomas Walten gibt sich optimistisch und schwört auf den Stadtteil. Ein neuer Medienhafen solle nicht entstehen: „Wir wollen hier keine Schickeria.“

 


Info: aus Westdeutsche Zeitung vom 29.12.2010